Ich war vorhin wegen meiner Facharbeit in der Bücherei und da hab ich dieses Buch gefunden.
Es heißt Zum Kotzen. Ich habe gerade angefangen es zu lesen und da ich mich mit einigen Zeilen identifizieren kann, möchte ich sie gerne aufschreiben.
Das Kursiv geschrieben ist das Zitierte, gerade geschrieben sind meine Kommentare dazu.
Bulimie ist eine Krankheit, die sich in dein Leben einschleicht. Anfangs eine "Anlass bezogene Ausnahmeerscheinung", wird das Erbrechen bald schon eine "gelegentliche Ausweichmöglichkeit", anschließend eine "schlechte Angewohnheit" und ehe man sich's versieht wird man es nicht mehr los und steckt mitten in einer ausgewachsenen Sucht.
Ich weiß nicht, ob ich es nach knapp zwei Monaten schon als Sucht bezeichnen kann oder nicht, aber ich weiß genau, dass ich oft zu meinem Freund gesagt habe, dass es jetzt nur Ausnahmen sind, im Wissen, dass es wahrscheinlich nicht so bleibt, aber so rechtfertigte ich mich in den ersten Wochen.
Man "schluckt" Dinge, Probleme, Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes "hinunter", um sie dann wieder in Form von halbverdauter Nahrung rauszukotzen, loszuwerden, all das, was man nicht verarbeiten kann, was belastet, was zu viel ist. Das Ritual des Essens und anschließenden Erbrechens wird zum Ventil: unterdrückte Aggressionen, Wünsche, Schmerz, übermächtige Emotionen werden dadurch kompensiert und so scheinbar Druck abgebaut.
Ist es nicht genau das? Neben dem Wunsch dünn zu sein, abzunehmen, ist dies doch alles eher die Methode um Schmerz und Druck abzulassen, weil man ihn nicht länger in sich halten kann. All dieses essen und kotzen wird zur metaphorischen Handlung.
Bulimie bietet die "wunderbare Scheinmöglichkeit" einmal getroffene Entscheidungen (wie zum Beispiel eine große Portion Spaghetti gegessen zu haben, stellvertretend für andere, noch schwierigere Entscheidungen, die das Leben täglich fordert) einfach wieder rückgängig, sozusagen ungeschehen zu machen.
Ja, wie sehr wünsche ich mir im Nachhinein immer, dass ich meinen Freund nicht immer so schlecht behandele, und wie sehr will ich doch immer mein Bestes geben und tue es nicht?
Man hat den Eindruck sich selbst und seinen Körper kontrollieren zu können, Macht über ihn zu besitzen, nach Belieben eine innere Leere zu füllen und sich dann wieder zu reinigen, sich von allem zu befreien, was belastet. Man übersieht dabei, dass die Sucht Macht und Kontrolle über den Süchtigen ausübt, nicht umgekehrt.
Wir alle denken, wir haben die Kontrolle, aber Leute? Überlegt, was heute passiert ist, wie viel davon habt ihr wirklich entschieden, und wie viel hat euch die Sucht eingeflößt zu tun?
Während Magersucht in fortgeschrittenem Stadium für die Außenwelt sichtbar ist, spielt sich Bulimie im Verborgenen ab wie ein Verbrechen. Nahrung ist dabei die legale Droge. Das nicht Gesellschaftstaugliche und Komplizierte daran ist, wie man sie unauffällig in großen Mengen zu sich nimmt und anschließend im Geheimen wieder los wird. Auf den ersten Blick bleibt die Krankheit so von der Außenwelt unerkannt.
Und ich bin der Meinung auch auf den zweiten Blick. Niemand weiß, wie ich diese "Droge" konsumiere. Niemand, dem ich es nicht erzähle. Alle denken ich bin normal, wenn ich mit ihnen esse. Das danach bemerkt niemand.
Bulimie bedeutet vor allem Widerspruch, Gegensatz: Essen - Erbrechen, voll - leer, Druck - Entspannung. Die Betroffenen leiden deswegen unter größten Schuldgefühlen. Die Krankheit spielt sich im Verborgenen ab, sie ist das kleine, schmutzige Geheimnis, das niemand wissen darf, für das man sich schämt, vor dem man sich ekelt, wie man sich auch vor sich selbst ekelt.
Gegensätzlich ist mein ganzes Denken. Mein kleines schmutziges Geheimnis ist nicht mehr ganz so das meinige, aber schämen tue ich mich deswegen umso mehr. Mein Freund weiß es und ich schäme mich jedes Mal, wenn er es mitbekommt. So abstoßend, wie man sich dann fühlt, kann man nicht in Worte fassen.
Eine Essstörung ist immer ein Aufschrei der Seele, ausgedrückt über den Körper, ein stummer Protest gegen die Unerträglichkeit der Lebenssituation, der unveränderlichen, übermächtigen Umstände, in denen man sich gefangen fühlt, wie in seinem eigenen Körper, gepaart mit dem Gefühl der Unfähigkeit das zu schaffen, was scheinbar alle anderen nahezu problemlos meistern: einfach zu leben!
Ich fühle mich zwar nicht gefangen in mir selbst, aber unfähig zu leben, bin ich trotzdem. Alle können es, nur ich scheinbar nicht.
Man will doch nur perfekt sein, so wie die, an denen wir uns orientieren sollen.
Perfektion: Mein Lieblingswort.
Denken sie nicht, ihr Kind könnte nicht betroffen sein, glaube nicht deine beste Freundin würde es dir schon sagen, wenn sie ein Problem hätte.
Mama, Papa, Familie, Freunde, denkt nicht, ich könnte es nicht auch haben!
Hey Sky, liest sich interessant, was du da so rausgeschrieben hast. Wuerdest du weitere gute Stellen auch mit uns teilen? Deine Kommentare finde ich ebenfalls nicht ohne und es tut mir leid wie schlecht es dir mit der Situation geht.
AntwortenLöschenBitte pass auf dich auf!
LG, Iwik